…und nur die anderen können es sehen? Auf diesem Schild steht dann wahrscheinlich “Laber mir bitte Hack ans Ohr!” oder sowas.
Der erste, der das Schild sah, war ein Herr im RE. Der bekam mit, wie ich mit einem Freund telefonierte, um selbigen ein wenig über Content Management Systeme (CMS) und Web-Sites zu erzählen. Mein Gegenüber schloss daraus natürlich sofort messerscharf, dass ich doch auch in der EDV-Branche tätig sein müsste. Als mein Gespräch beendet war (Mist, warum ist das Netzt zwischen Wattenscheid und Essen nur so instabil?!) schaute er mich verständnisvoll an und sagte sowas wie “Jaja, in der EDV-Branche hat man nie Feierabend was” . Mein gemurmeltes “Geht schon” schien ihn irgendwie anzustacheln, den Ehrgeiz in ihm zu wecken. Grmpf. Mein Begleiter – nennen wir ihn ab jetzt Volker – war, wie ich ungefragt erfuhr, auf dem Weg nach Österreich um dort eine Software zu installieren. Schnell stellte ich fest, dass Volker behindert war. Nicht nur in Sachen modischer Geschmack – Jeanshemd und graue Bundfaltenhose geht einfach nicht – sondern auch empathisch. Weder meine Einsilbigkeit, noch mein konsequentes Arbeiten in meiner Kladde oder gar SMS-Schreiben konnten ihm meine Gesprächsunwilligkeit klar machen. Also belästigte er mich weiter mit seinen Reiseplänen, seinen Gedanken zu den Metropolen dieser Welt und den Unbillen der EDV-Branche, sowie seiner Meinung zu den eh viel zu niedrigen Spesensätzen. Ja, selbst seine Essenspläne blieben mir nicht verborgen!Zitat “Frühstück gibts im Hotel, das Mittagessen krieg ich bestimmt beim Kunden, dann brauch ich abends nix mehr!” Irgendwann kam Gott sei Dank Düsseldorf Flughafen und Volker verließ mich. Ich pulte mir schnell das Hack vom Ohr und genoss die stille weiterfahrt bis Düsseldorf HBF.
In Düsseldorf HBF wartete schon meine S-Bahn auf mich und ich zog mich in die 1. Klasse zurück. Stets ein Quell der Ruhe und eines üppigen Platzangebotes. Und wenn man steht, ist das glaub ich sogar auch erlaubt. Der Quell der Ruhe erfuhr dann aber in Düsseldorf Oberbilk eine Verschmutzung. Ein Eishockey-Torwart beglückte mich und alle anderen anwesenden Fahrgäste im Abteil mit seiner Anwesenheit. In der linken Hand zwei Schläger und die Beinschoner, rechts das Feierabendbierchen und auf dem Rücken eine Tasche, so groß das man sie hätte untervermieten können. Und über allem krönte ein Lächeln, dass nur einem Eishockey-Spieler gehören konnte – von Schneidezähnen keine Spur. Unser Neuzugang leiß dann auch direkt im Einstiegsbereich seinen gesamten Hausstand fallen, und machte es sich auf einem Platz an der Sonne bequem. Sein Glück, dass Reisholz den Bahnsteig auf der anderen Seite hatte, so konnte er sitzen bleiben. Dann aber bereitete er sich auf den Ausstieg vor. Schnappte sich seinen Kram, hievte sich die bewohnbare Tasche auf den Rücken und dann passierte es – er entdeckte mich! Und mein Schild. Er: “Geht doch nichts über ein Feierabendbier, was?” Ich: (den Kopf hebend und nach der Quelle der Geräusche suchend) “Mhm. Prost.” (Kopf wieder dem Handy zuwendend) Er: “Vor allem mit dem ganzen Kram dabei. Ganz schöne Schlepperei.” Ich: “Ja, schon viel Zeug” Er:”tja, aber anstrengen muss man sich bei jeder Sportart” Ich: “Stimmt” Und dann hatten wir sie auch schon erreicht – die rettende Haltestelle. Unser Neuzugang verließ uns und ich konnte endlich wieder einfach nur aus dem Fenster schauen, Musik hören und die Ruhe genießen.
Zum Abschluss noch eine Bitte an die Gen-Forscher unter unseren Lesern: Bitte bitte, hört auf Ohren auf Mäuserücken zu züchten. Wenn ihr schon was mit Ohren machen wollt, dann behebt unsere Fehlerhaftigkeit und macht die Dinger verschließbar! Ihr wisst schon, so wie Augen oder Mund oder Nase!