… und keiner merkt’s!
So stell ich mir das zumindest bei den nächsten Streiktagen vor. Ich mein, betrachten wir es doch mal nüchtern – was bedeutet Streik? Auf Grund der Arbeitsniederlegung werden Züge ausfallen, es werden massive Verspätungen in Kauf zu nehmen sein und auf den überfüllten Bahnsteigen wird zwar Personal anzutreffen sein, aber diese sind entweder nicht zuständig oder wissen nnoch weniger als man selbst. Manchmal ist man sogar schlauer, weil man dank UMTS mal schnell im Internet geguckt hat, was denn gerade so anliegt in Sachen Fahrplan.
Und genau das hatte ich heute Abend auch. Und ich habe gerade extra nochmal auf tagesschau.de nachgeguckt – von Streik stand da nix. Der Regionalexpress ging zwar von nem anderen Gleis los und war ohne Verspätung schon ein Exot auf der Anzeigetafel, aber alles in allem war er im Plan. In Düsseldorf dann rüber zum S-Bahn-Gleis, wo die Anzeigetafel den lauffreudigen Kunden darüber informerte, dass er auf dem Weg das richtige Gleis bereits passiert hatte und wieder zurück musste. Haha, nicht mir! Das habt ihr letzte Mal auch gemacht und dann stand ich da wie bestellt und nicht abgeholt. Aber auf Gleis 10 wurde die Aussage nochmal bestätigt, schien also zu stimmen. Also alle Mann (und Frauen) rüber. Treppe runter, einmal um den Brezel-Bub rum und wieder Treppe rauf. Jippie! Die S6 wurde mit einer Viertelstunde Verspätung angekündigt. Dann die verwirrende Durchsage, dass JETZT die S6 auf Gleis 10 einfahre. Hä??? Wo war die Viertelstunde hin? Aber dieses Rätsel wurde sofort aufgeklärt und die freundliche Stimme aus der Lautsprecheranlage klärte den verwirrten Fahrgast darüber auf, dass die S6 zwar einfahre, aber erst in 15 Minuten wieder ausfahre. Naja, egal. Wenigstens sitzen. Merkwürdigerweise verließen aber alle anderen Fahrgäste die S6. Lag wohl daran, dass der Lokführer weniger freundlich aber um so bestimmter mitteilte, dass die Bahn hier ende und alle Fahrgäste bitte aussteigen. An dieser Stelle ein kleiner Tipp an den lokfüher der S6 von 18:11 Uhr in Düsseldorf: Wenn Sie “Raus ihr Säcke” meinen und das dem Tonfall klar zu entnehmen ist, dann brauchen Sie auch kein “Bitte” mehr sagen.
Tja, das wars dann wohl mit dem sitzen. Und kaum waren die Türen geschlossen und der Feierabend des Lokführers gerettet, gings auch gleich weiter. Die freundiche Stimme korrgierte ihre vorherige Durchsage dahingehend, dass die S6 jetzt in 10 Minuten auf Gleis 11 einführe. Also Treppe wieder runter, um den Brezel-Bub rum, Treppe wieder rauf.
Nach kurzem warten kam sie dann endlich. Die lang ersehnte und schon fast nicht mehr erhoffte S6. Schnell ein paar Tränen der Ergriffenheit wegwischend suchte ich mir einen Stehplatz und fuhr gen Heimat.
Bis Düsseldorf Reisholz. Hier wurde den Fahrgästen mitgeteilt, dass alle Fahrgäste, die zwischen Benrath und Leverkusen Mitte aussteigen wollen, in den Allerwertesten gekniffen sein. Auf Grund der großen Verspätung kein Halt zwischen Benrath und Leverkusen. Die Betroffenen möchten doch bitte aussteigen und eine andere Bahn nehmen. Also wieder raus ausm Zug und auf die nächste Bahn gewartet. Die war dann aber erfreulicherweise nur mit ner defekten Tür ausgestattet. Aber pünktlich in Langenfeld. Und ich genau so zu Hause, als wenn ich sofort die zweite S-Bahn genommen hätte. Womit wir wieder beim Streik un dem damit verbundenen Notfahrplan wären.