17. November 2009

Selbstmord mit mehr als einem Opfer

Kategorie: Gleisnetz — Bastian @ 13:03

Die letzten 14 Tage war ich im Urlaub, auf einer kleinen Insel irgendwo im Indischen Ozean. Da hab ich nicht viel mitbekommen von der Nachricht, die Deutschland erschüttert hat, Hungerprobleme, Schweinegrippe und Koalitionsverhandlungen für Tage verdrängt zu haben scheint. Der Nationaltorhüter Robert Enke hat sich vor einen fahrenden Zug geworfen und sich so selbst das Leben genommen. Vernommen habe ich diese Meldung in der DB Lounge in Frankfurt das erste Mal.

Dann habe ich ein wenig versucht die Nahrichten-Historie zu verfolgen. Und was da nicht alles über Robert Enke und seine trauernde Familie berichtet wurde. Stein für Stein fügte sich scheinbar alles nahtlos zu einem Gesamt-Gebilde zusammen. Und mittendrin das größte Staatsbegräbnis seit Konrad Adenauer. Aber das mag ich alles nicht kommentieren oder gar öffentlich werten.

Erschreckt aber hat mich die fehlende Berichterstattung über das zweite Opfer dieser eigentlich nur gegen sich selbst gerichteten Tat – den Lokführer. Laut Angaben der Bahngewerkschaft werden jedes Jahr ungefähr 1000 Selbstmorde durch selbst herbeigeführte Bahnunfälle verübt. Rein statitisch kann es wohl sogar jedem Lokführer mindestens 3 mal pasieren, dass er zum unfreiwilligen Helfer wird.

So ist es jetzt auch im Fall Robert Enke. In all der Trauer und Beileidsbekundungen gegenüber der Familie, der anschwillenden Diskusion über Leistungsdruck und Depression, spricht jedoch kaum jemand über den Lokführer. Dieser muss jetzt damit klarkommen, einen Menschen getötet zu haben, ohnmächtig zusehen zu müssen. Vielleicht nicht mehr arbeitsfähig zu sein. Ja, vielleicht sogar selbst den Lebenswillen zu verlieren.

Vielleiht sollte man mal kurz innehalten und über das zweite Opfer nachdenken. Ich spreche an dieser Stelle mal ganz deutlich an ihn mein Beileid aus. Stellvertretend für alle Betroffenen.

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3 Kommentare »

  1. Wahre Worte.

    Ich finde es ja schon schrecklich genug das solche Menschen andere mit reinziehen aber das derer dann nicht mal Gedacht wird…

    Kommentar von Arne — 17. November 2009 @ 20:58

  2. [...] Selbstmord mit mehr als einem Opfer [...]

    Pingback von schweizweit.net | Wochenrückblick — 30. November 2009 @ 13:15

  3. Inzwischen hat die Süddeutsche über das Trauma von Lokführern berichtet, die Menschen überfahren müssen. Und ich meine, ich war einer der ersten, der das Thema in seinem Blog angesprochen hat. Die Kommentare darauf fielen zum Teil recht bedenklich aus. Das hat mich ein wenig erschreckt.
    http://blog.nn-online.de/pendlerblog/2009/11/11/robert-enke-und-der-lokfuhrer/

    Kommentar von Pendlerblog — 25. Dezember 2009 @ 20:42

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