Die letzten 14 Tage war ich im Urlaub, auf einer kleinen Insel irgendwo im Indischen Ozean. Da hab ich nicht viel mitbekommen von der Nachricht, die Deutschland erschüttert hat, Hungerprobleme, Schweinegrippe und Koalitionsverhandlungen für Tage verdrängt zu haben scheint. Der Nationaltorhüter Robert Enke hat sich vor einen fahrenden Zug geworfen und sich so selbst das Leben genommen. Vernommen habe ich diese Meldung in der DB Lounge in Frankfurt das erste Mal. (weiterlesen…)
Selbstmord mit mehr als einem Opfer
Ich weiß etwas, was ihr nicht wisst
Tja, da sitz ich also im Zug nach Göttingen. Gleich geht’s los. Wie jeden Freitag die Bummelstrecke von Frankfurt HBF nach Göttingen. Präsenztag im Büro.
…Hm, 7:58 Uhr, von Abfahrt noch keine Spur. Die Türen sind noch auf…
… Da, eine Durchsage unseres Lokführers
Meine Damen und Herren, leider verzögert sich unsere Abfahrt in Frankfurt noch um wenige Minuten. Den Grund werde ich Ihnen noch zu gegebener Zeit mitteilen
*PIEP* *PIEP* *PIEP* *PIEP*
…macht es immer bevor sich die Türen einer S-Bahn schließen. Sobald die Türen in Bewegung sind, sollte man es tunlichst unterlassen dazwischen zu stürmen um doch noch in die S-Bahn zu gelangen.
Natürlich haben Moderne S-Bahnen einen Sicherheitsmechanismus der dann irgendwann “nachgibt” und die Tür wieder öffnet. Was aber machen wenn…
“Hier spricht Ihr Lokführer…”
Naja, oder besser Ihre Lokführer. Wir haben gleisritter.de eine neue Kategorie verpasst. Und wie all unsere Kategorien hat sie natürlich einen Namen aus der zauber- aber oft rätselhaften Welt der Bahn bekommen.
Wir haben Sie Lokführer getauft, weil es in dieser Kategorie weniger um Erlebnisse in der Bahn gehen soll, sondern viel mehr um dieses Blog selbst. (Heißt es jetzt eigentlich der die oder das Blog?)
Vor allem ich mache ja einiges im Hintergrund, was die Technik angeht. Sei es jetzt das Einspielen von Plugins ins WordPress oder das Anpassen des Themes.
Damit auch andere davon profitieren, werden wir, Dominik und Ich, in dieser Kategorie eben all das berichten, was so i Hintergrund passiert. Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen.
Lokführer sind auch nur Menschen
Gott sei Dank. sonst würde dieses/dieser Blog nur halb so lustig sein.
Das Lokführer auch nur Menschen sind und oft genau das gleiche denken wie die von ihnen beförderten Fahrgäste, wurde Freitag auf meiner Heimfahrt mal wieder bewiesen. Da hieß es dann nach zwei kurzen Stopps auf freier Strecke:
Meine Damen und Herren, unsere Weiterfahrt verzögert sich etwas. Vor uns fährt ein anderer Zug, der an jeder Milchkanne hält.
Lokführer sind unterbezahlt
Das ist ja so zur Zeit der Satz, der so gerne durch die Presselandschaft wabert. Aber warum sind denn Lokführer unterbezahlt? Ich mein, okay, das Gehalt ist nicht die Wucht. Kann ich nachvollziehen, dass man nie genug Geld bekommt und das man da schon stinkig wird, wenn man sieht, dass der Chef ca. das 20-fache verdient. Auch die fixe Obergrenze kann ich nicht gutheißen, aber rechtfertigt das diese augenscheinliche “Totalverweigerung”?
Bei jeder Forderung nach Gehalt frage ich mich und muss ich mich von meinem Chef fragen lassen “Warum?”. Womit ist das Gehlat zu rechtfertigen? Gestiegene Lebenshaltungskosten? kann ich keine 31% mit rechtfertigen. Mehr Arbeit? Hat die GDL ja abgelehnt. Mehr Verantwortung? Gilt ja nicht für alle, wäre also ne individuell zu verhandelnde Geschichte.
Überhaupt die Sache mit der Verantwortung. Das wird ja immer so als das Totschlag-Argument angeführt. Ich mein, die Jungs fahren auf Schienen in Loks, die von Computern unterstützt fahren. Auch die Netzplanung wird von Computern übernommen, ein Lokführer muss also nicht mehr überlegen, ob er an der Weiche die linke oder rechte Spur nimmt. Überhaupt, bewegt er sich in einem Schienennetz, falsch abbiegen oder so ist also auch nicht. Ganz böse formuliert sage ich jetzt mal, dass die Hauptaufgaben das Bremsen und Beschleunigen sowie das rechtzeitige Öffnen und Schliessen der Türen ist. Und entschuldigung mal, aber dafür sind die ausgebildet worden! Das sind doch keine Schaffner, denen man sagt “Du fährst jetzt Lok aber nach wie vor zum Gehalt eines Schaffners” Dann hätte ich da vollstes Verständnis für, aber so?!
In meinen Augen will sich da nur ein Gewerkschafts-Chef vor seinem Abgang ein kleines Denkmal setzen. Wem wird man denn einen Tarifabschluss zuordnen – den einzelnden Streikenden oder den “Verhandlungsführern”? Wann begreifen Gewerkschaften endlich, dass man viel mehr mit dem Fahrgast/Kunden/Verbraucher erreicht als gegen? Wann setzen sich Gewerkschaften mal für einen besseren Service ein? Ich warte auf den Tag, an dem die GDL streikt, weil das Schienennetz marode ist oder Fahrgäste so lange in der Kälte stehen, wenn mal wieder die Technik versagt. und wenn dann die Forderung kommt, das mit ner Gehaltsanpassung zu verbinden, dann bin ich sofort dabei!