Alle Welt redet darüber, dass die Bahn Mitarbeiter ausspioniert hat. Das ist nicht nur gesetzeswidrig unter Umständen, sondern auch moralisch höchst verwerflich. Und als ich gestern so nach den Tagesthemen unter der Dusche stand, ging mir ein Licht auf!
Ich bin auch ein Opfer von Spionage, jawoll! Und ich bin nicht allein! Jedes jahr müssen Tausende, Hunderttausende, ja Millionen von Fahrgästen sich den dreisten Spionage-Aktionen im öffentlichen Personennah- und fernverkehr erwehren. Mit Lesegeräten ausgestattet durchkämmt extra geschultes Personal tagtäglich die Bahnen auf der Suche nach Fahrgastdaten. Völlig unverhohlen wird nach dem Fahrschein gefragt und manchmal sogar vorhergesagt, wo man umsteigen wird. Wie perfide! So will man mir wohl mitteilen, was man alles über mich weiß! Zur Kontrolle meiner Identität werde ich mit meiner Bahncard als Käufer des Tickets identifiziert. Unterstütz wird dies auch von bahn.de! Dort weiß man sogar meinen Namen und meine Anschrift! Für einen Fahrschein (aka Ticket) muss ich sogar angeben, wann ich fahren will, wohin ich fahren will, wo ich losfahren will und sogar, wo meine Sitzpräferenzen sitzen… äh liegen. Das ist doch meine Sache! Was geht denn die das an? Demnächst werde ich einfach die Auskunft verweigern! So siehts nämlich aus!
Letztens bin ich im ICE nach Frankfurt von einem Mitarbeiter der ultrageheimen Abteilung “Fahrgastdatenerfassung und -untersuchung, Ressort totalgeheime Ziele” (F.u.R.t.Z) aufgespürt worden. Ganz beiläufig schob mir dieser einen mit Umfrage betitelten Erfassungsbogen zu und bevor ich auch nur aufschauen konnte, versuchte er sich meine Gunst mit einem, wahrscheinlich von fleissigen Hausfrauen zusammengeschraubten, Kugelschreiber zu erkaufen! Pah, der dachte wohl, damit könne er mich bestechen! Wenn er sich damal nicht getäuscht hatte! Zur Ablenkung habe ich erst mal den Bogen ausgefüllt, brav Angaben zu Geschlecht, Alter und Fahrfrequenz gemacht und als der Mitarbeiter zurück kam um den Bogen einzusammeln, hab ich ihm diesen zwar gegeben, aber den Kugelschreiber, den hat er zum Zeichen meines Widerstandes gegen Bestechung auch zurückgekriegt. Nicht mit mir, sag ich, nicht mit mir!
Hehe, ich glaube ich verweigere ab heute auch mal die Aussage bei den Angaben wohin und wann ich fahren möchte.
Kommentar von Arne — 3. März 2009 @ 20:55