13. Oktober 2008

Job-Vermeidung zum Heulen

Kategorie: Unterhaltungsprogramm — Bastian @ 6:44

Auf meinen Fahrten zu Kunden habe ich immer wieder einiges an Zeit totzuschlagen. Und ich gestehe, dass ich mich hin und wieder dem einfachen Müßiggang hingebe und nicht sofort ein Sitzungs-Protokoll erstelle, den Projektplan aktualisiere oder anderweitig produktiv bin. Manchmal freue ich mich auch einfach nur über das erzwungene Zur-Ruhe-kommen. Nicht selten hilft mir dabei ein Buch.

Auf einer meiner letzten Fahrten nach Wiesbaden habe ich dort am Bahnhof ein Buch erstanden, welches mich schon durch seinen provokanten Titel sofort in seinen Bann zog. In der Aufmachung eines bekannten deutschen Heimwerkermarktes hieß es dort

Sehr geehrter Herr Hornbach, um ein Haar hätte ich mich bei Ihnen beworben

Noch in der Bahnhofsbuchhandlung musste ich einen Blick hineinwerfen und bereits die ersten Seiten ließen mich breit lächeln. Der Autor Jürgen Sprenzinger beschreibt auf 252 Seiten Seiten, wie er den Kreislauf aus Stellenanzeige lesen – Bewerben – Hoffen – Absage wegstecken – nächste Stellenanzeige lesen einfach mal umgedreht hat. Anstatt sich auf Anzeigen zu bewerben, hat er den Unternehmen abgesagt. Und das aus den unterschiedlichsten Gründen. Entweder, weil er mit “zwei linken Händen” als Heizungsmonteur überhaupt nicht geeignet sei oder weil er als Vorsitzender eines Vereins gegen Karies unmöglich beim großen Süßwarenhersteller aus Bonn anfangen könne. Die Absagen greifen dabei immer den Ton der Anzeigen auf und die Gründe sind teilweise absurd komisch, teilweise amüsant frech, aber eben immer lustig.

Mein persönlicher Favorit aber ist das Schreiben an ein Unternehmen aus dem [???]-Bereich. Der Text der Anzeige ist dabei nebensächlich. Die Dame samt Fernglas, deren Bild die Anzeige optisch abheben sollte schien da viel interessanter. Und so entstand ein hübscher Briefwechsel zwischen dem verantwortlichen Personaler und dem Autor, an dessen Ende ich Tränen vor Lachen in den Augen hatte und die Gewissheit, dass “nicht alle Personalverantwortlichen dem humorlosen Klischee entsprechen, dass Ihnen vorauseilt und wirklich alles besser wissen”.

Überhaupt antworteten viel zu wenig Personalverantwortliche auf die Absagen. Die wenigen Antwortschreiben aber ließen mich oft laut lachen. Nicht selten erntete ich im ICE verstörte Blicke ob meines Losprustens. Spätestens, als ein Unternehmen sich artig für die (überhaupt nicht geschickten) Bewerbungsunterlagen bedankte und weitere Prüfung versprach, verlor ich kurz die Beherrschung. Da sieht man mal, mit welcher Intensität man sich in der ein oder anderen Personalabteilung mit den Schreiben von Bewerbern befasst.

Wer ein kurzweiliges aber sehr lustiges Buch für die Bahnfahrt oder Schmökern im Hotelzimmer sucht, dem sei dieses Bucher wärmstens empfohlen. Stellenanzeigen lese ich seit dem mit ganz anderen Augen. ;-)

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