In hübscher Regelmäßigkeit mischen sich Freitags Junggesellenabschiede, Kegelrunden und Bauch-Oberschenkel-Po-Kurse unter das reguläre Publikum im NRW-Express. Herrenrunden sind dabei durch das lautstarke Singen (oder das was sie dafür halten) schmutziger Lieder auszumachen, Damenrunden zeichnen sich eher durch permanentes Gekicher, hin und wieder undamenhaftes Lachen und “Sektchen?”-Rufe quer durch den Wagon aus.
Und so war es dann auch vergangenen Freitag. In Essen öffneten sich die Türen und schon erklang ein “Jungs, kommt lass ma rauf gehen” im schon leicht angeschlagenen Bariton. Ich dachte noch so bei mir “Bitte nicht” und schon war es geschehen. Das obere Stockwerk wurde von einer ca. 5-8 köpfigen Gruppe von Herren Ende 30 und aufwärts gestürmt. Natürlich bewaffnet mit einer großen Kühltasche und ansonsten nur leichtem Gepäck. Kaum hatte ich mich versehen, saß ich auch schon im Zentrum des Geschehens.
Ruckzuck wurden Gläser verteilt und die Kühltasche gab ihr Innerstes preis. Diverse Bier-Mixgetränke, eine 1,5-PET-Flasche in der ehemals Cola und eine jetzt etwas flockig wirkende, scheinbar auf Cola beruhende Flüssigkeit schwappte und eine Flasche, die augenscheinlich Orangensaft enthielt. Wir hatten das Vorfeld in Essen noch nicht ganz verlassen, da kreisten auch schon die Pullen. Meinem Gegenüber sollte über de Gang hinweg das Glas gefüllt werden und ich überlegte schon, wie ich unserer EDV die klebrige Substanz in der Tastatur erklärte.
Der Schankwart der Gruppe schien meinen skeptischen Blick gemerkt zu haben und versuchte Ruhe und Routine beim Ausschank in wackligen Zügen bei voller Fahrt zu suggerieren. Ich erklärte ihm, dass ich nicht beunruhigt sei, sondern ein Glas suche. Jetzt schien das Eis gebrochen. Sofort wurde mir ein Glas gereicht (Danke Thomas!) und ich hatte frei Auswahl. Die braune Flüssigkeit entpuppte sich als Pernot-Cola (würg) und der O-Saft als Wodka-O. Ich entschied mich für letzteres. Es wurden dann auch noch Chips (aka Schippse) gereicht, Thomas und ich wechselten uns mit dem Glas ab und wir plauderten munter bis Düsseldorf über das Ziel der Fahrt, die Pläne fürs Wochenende und Historie der Gruppe. Am Ende gab ich noch die Adresse dieses Blogs an den Gruppenältesten, versicherte nix schlimmes zu schreiben.
Und wenn das einer der Herren hier liest:
Jungs, der Wodka war super, die Mischung genau richtig. Endlich mal ne Gruppe, die sich nicht wie die offenen Hosen benommen hat und bei denen der erste Eindruck sich als falsch herausstellte. Ich hoffe, ihr hattet richtig viel Spaß in Düsseldorf und seit alle gut nach Hause gekommen. Hatte das Hotel jetzt ne Minibar? Wer hat gewonnen? Und wisst ihr schon, wo es nächstes Jahr hingeht? Wie wär es denn mal mit Bochum? Da müsstet ihr aber morgens fahren, sonst verpassen wir uns.