Mit seinen mehr oder minder freiwilligen Zugbegleitern in der Bahn erlebt man als Pendler ja schon so einiges. Aber das Beste ist mir gestern Abend passiert.
In Düsseldorf HBF stiegen zwei junge Mädchen – so um die 16 würde ich schätzen – in die S6. Die fielen schon durch ihren extrovertierten Kleidungsstil und ihr typisch Mädchen-um-die-16-haften Verhalten auf. ¾-Leggins und Ballerinas bei gefühlten -54°C Aussentemperatur wirken aber auch irgendwie deplatziert.
Normalerweise suche ich mir ja immer einen Stehplatz in der 1. Klasse, aber die war diesmal gesperrt. Und das Schicksal meinte es an diesem Abend noch schlimmer mit mir. Kaum hatte ich mir einen Sitzplatz gesucht, gesellten sich die beiden eingangs erwähnten Mädels zu mir. Und schnatterten auch gleich munter fröhlich weiter. Über irgendeine Sara, die ja jetzt mit dem Olli zusammen sei und was der Olli an der überhaupt fände. Und das die ja auch nur im dämmrigen Licht gut aussähe, aber ansonsten “Total scheiße” usw. Das spannende an dieser Unterhaltung war, dass das Auftreten der beiden eher zur BigBrother-BärbelSchäfer-Gerichtsshow-SuperNanny-Zielgruppe passte, die Wortwahl in Ansätzen aber dann doch einen etwas größeren Wortschatz als “krass Alda” vermuten lies. Wahrscheinlich noch traurige Reste eines Montessori-Kindergartens.
Langsam schwenkte das Gesprächsthema weg von Sara und Olli hin zu nur Olli, Ollis Liebesleben um dann bei dem eigenen Liebesleben zu landen. Jetzt packten die beiden mal so richtig aus. Wo man im letzten Urlaub war, mit wem und vor allem, wen man da kennengelernt hatte und was man mit dem so gemacht hätte. Ja richtig – was! In allen Details. Die beiden hatten sich in einen regelrechten Rausch gequasselt und waren jetzt nicht mehr zu bremsen. Da wurde von nächtlichen Sauftouren berichtet, die mit dem totalen Filmrissen endeten. Von Flirts und “bisschen Rumlecken” mit der spanischen Disko-Bekanntschaft und sogar von der heißen Nacht in einem Holzboot im Hafen von Lloret de Mar. Bisher kannte ich ja dieses Potenz-Gehabe nur von meinen Geschlechtsgenossen, aber die beiden waren der lebende Gegenbeweis. Hier wurde ganz offen Bilanz gezogen, welcher Urlaub in welchem Land die meisten Bettgeschichten brachte. Ich glaub, Orgien oder Gangbangs hätten mich auch nicht mehr gewundert.
Treue wurde übrigens nicht so groß geschrieben bei den beiden. Zitat: “Ey, was der nisch weiß, rehscht den auch nisch auf. *kicher* Und iss doch Urlaub!”
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Pingback by Wochenrückblick 08/08 | schweizweit.net — 24. Februar 2008 @ 17:24
Hallo mein Jüngsken,
was du so alles erlebst! Da muss man sich als Vater ja ernsthafte Sorgen machen. Bleib schön tapfer! Übrigens, Gleisritter.de = Spitze!Da zeigen sich doch endlich die Früchte meiner mühseligen Ausbildung.
Kommentar by Jürgenvater — 29. März 2008 @ 11:28
Ein dickes Lachen meinerseits. Da ich öfters durch die Brennpunkte von Köln pendele, konnte ich auch schon geschockt die sexuellen Praktiken der 15/16-jährigen weiblichen Bevölkerung belauschen. Das erinnerte mich spontan an Sielmann’s Tierleben. Unterhaltsam war’s, förderte aber auch eine Erleichterung zutage, eine Riesterrente abgeschlossen zu haben. Denn leider sind die beiden Gesprächstanten keine Minderheit.
Kommentar by THOR — 18. April 2008 @ 14:43
traurig das ihr ander leuts gespräche belauschen müßt um es im internet zu posten..
leute wie euch würde ich gern mal in der bahn treffen…
Kommentar by marcel — 3. Juni 2010 @ 13:24
Tja, der menschliche Körper hat leider den kleinen Konstruktionsfehler, dass die Ohren nicht zuklappbar sind. Das hat auch nix mit Belauschen zu tun, sondern damit, dass die mir gegenüber saßen und wirklich laut sprachen. Ich würde eher sagen “Traurig, dass es vielen Leuten nicht gelingt zwischen Öffentlichem Raum und Privatsphäre zu unterscheiden”.
Das mit dem “in der Bahn treffen” ist kein Problem. Donnerstag bin ich wieder nach Göttingen unterwegs und Freitag auf dem Weg zurück. Aber wozu willste dich mit einem von uns treffen?
Kommentar by Bastian — 7. Juni 2010 @ 17:42
Hey in Internet Explorer 7 sieht dein Template irgendwie kaputt aus.
Kommentar by Falko — 13. September 2011 @ 19:02