Ja, Deutschlands Bemühungen um mehr Beachtung als Wirtschaftsstandort und Tourismus-Ziel tragen seit einigen Jahren Früchte. Das hat natürlich zur Folge, dass sich auf Strecken von oder zu Flughäfen immer mehr nicht-deutschsprachige Fahrgäste einfinden. Leider hat die Entwicklung um den ein oder anderen Zugbegleiter wohl einen Triebwagenschaden erlitten. Die Konsequenzen bekam gestern morgen eine junge Dame zu spüren. Der war es nämlich entgangen, dass sie ihr Ticket für den RE hätte abstempeln müssen. Der aufmerksame Zugbegleiter übersah das natürlich nicht und machte sie auch gleich in einem väterlich-strengen Ton darauf aufmerksam. Der fragende Blick der Dame und das leise “Sorry?” schienen ihn dann erst stutzig zu machen. Okay, da der südländische Typ heute nichts seltenes in unserer Gesellschaft ist, konnte er ja nicht ahnen. Aber anstatt in den “Fremdländischer-Fahrgast-ohne-Beförderungsbedingungskenntnis-Modus umzuschalten, fühlte sich der Zugbegeleiter genötigt, die Ermahnung lauter und strenger zu wiederholen. Und besser noch, konsequent forderte er sie auf, in Essen auszusteigen und das nachzuholen. Wild nach draußen zeigend und mit kräftiger Stimme. auf deutsch. Die arme Frau verstand kein Wort. Ich hab dann gefragt, ob sie englisch spräche und für sie übersetzt. Als sie verstand, dass sie aussteigen solle, wies sie mich darauf hin, dass sie in Dortmund ein Flugzeug kriegen müsse. Dem Schaffner war das alles egal und schickte sie mitsamt Gepäck vor die Tür. Immer begleitet von ein paar Brocken englisch, die er während meiner Übersetzung aufgeschnappt hatte. “…Oräntsch box… ju häff tu stempel it… autseid… lauf… go… schnell…” Auf meine Frage, wo den ein Automat zum Abstempeln sei, hatte er auch keine antwort. Jetzt erklär mal einer einer aufgewühlten Frau, dass sie auf einem fremden Bahnhof in einem fremden Land eine kleine orangene Box suchen soll um dort ihr Ticket reinzustecken. Und das alles innerhalb ener unbekannten Verweildauer eines Zuges mit einem unbekannten Fahrplan, damit sie wieder in den Zug springt, um an Ende ihren Flieger zu kriegen. Da würde ich auch nervös werden.
Sie stand dann nur kurz auf dem Bahnsteig und steig dann wieder ein. Durch das drängen anderer Fahrgäste und mir lies sich der Schaffner dann gütig dazu herab (anders kann man das nicht mehr bezeichnen), handschriftlich eine Notiz auf ihr Ticket zu machen. Natürlich nicht, ohne ihr einen Vortrag zu halten, dass das sonst 40 € kostet normalerweise. Und natürlich wieder auf deutsch.
*handanstirnklatsch*
[...] Denglisch for Zugbegleiter [...]
Pingback von Wochenrückblick 18/08 | schweizweit.net — 4. Mai 2008 @ 16:15
Obwohl das ja eigentlich traurig ist…hab ich doch lachen müssen. Das Denglish ist ja der Knaller! Bin übrigends auch Dauer-Pendler und fahre meist Düsseldorf-Essen im RE…vielleicht sieht man sich ja mal
Kommentar von Marv — 2. Juni 2008 @ 10:24
als ich das erste mal RE gefahren bin, wusst ich auch nóch nichts von der Oräntsch box. blöd nur das ich der deutschensprache mehr oder weniger mächtig bin. und versuchmal einen “kontrollör” davon zu über zeugen das du ja gar keine ahnung hattes .. von der oräntschbox weil du ja sonst immer regiobus fährst und mann da die karten beim fahrer kauft… und es endete wie bei den meisten in so einer situation —–40€——
gruss von J.P
Kommentar von J.Peterson — 25. November 2008 @ 8:05