15. August 2008

Du bist eine Schande für alle Frauen

Kategorie: Zugbegleiter — Bastian @ 13:39

Bevor ich Projektleiter wurde, habe ich nicht nur studiert, sondern auch was anständiges gelernt. Zum zeitpunkt meiner Ausbildung hieß der Beruf noch “Mediengestalter für Print- und Digitalmedien mit der Fachrichtung Medienberatung Print”. Mittlerweile heißt er anders, aber das tut nichts zur Sache. Aber ich fühle mich der Druckbranche immer noch verbunden und freue mich immer, mit jemandem über Colormanagement, JDF-Workflows und Fortdruck-Geschwindigkeiten fachzusimpeln.

Kürzlich konnte ich nur indirekt fachsimpeln. Da saß ich im Zug nach Hause und bekam in Essen einen Sitzgegenüber weiblichen Geschlechts. Die Dame war ungefähr genau so jung wie ich und kaum das sie saß, zückte sie ihr Handy. Sie rief wohl eine Freundin an, denn nach dem üblichen Handy-Gesprächsbeginn “Hi. Ich bins. Stör ich?” (kann nur getoppt werden von “Hi. Ich bins. Wo bist du?”) ging die Tonlage immer höher und die junge Frau schaltete in eine Stimmlage, die ich durchaus als Geschnatter titulieren möchte.

Aber ds Gespräch schien es in sich zu haben. Zuerst ging es nur um die immense Arbeitsbelastung, die mein reizendes gegenüber aktuell durchleiden musste. Dann aber fielen Begriffe, die mich vom aufgeklappten Laptop aufschauen ließen. “… richtig schöne GTO… der Bogen wird angesaugt… Fadenheftung”. Da schien sich jemand auszukennen. wie sich heraustellte, arbeitete die Dame bei einem Maschinen händler und hatte sogar in einer Druckerei gelernt. Wir waren also quasi berufsverwandt. Ihre gesprächspartnerin hatte allerdings keinen blassen Schimmer. Wie ich dem kontext entnehmen konnte, wollte sie sich wohl im gleichen Unternehmen bewerben und bat um eine Druckbetankung der schwarzen Kunst. Also versuchte mein gegenüber zwischen essen und Düsseldorf mal eben das Prinzip des Falzens zu erklären, warum auf einem Druckbogen mehr als 1 Seite steht, was eine Rückstichheftung ist, und so weiter. Besonders bei der Rückstichheftung und dem Zickzackfalz schien sich die Freundin als etwas begriffsstutzig herauszustellen. Immer wieder musste versichter werden, dass man dafür nicht gut in Mathe sein müsse, um das alles zu können. Das sie das sowieso alles im Job lernen würde und sie sich nicht so nen Kopp machen solle. zur Untermalung des erklärten wurden immer wieder Praxisbeispiele herangezogen. “jetzt stell dir mal nen Pizzaflyer vor… Und wie klappst du den auf? Einmal vor, einmal zurück… NA EBEN ZICKZACK!… Wie? was ne Rückstichheftung ist? nimm dir mal ne Zeitung wie die (hier name eines Gossip-Magazins einsetzen) und die ist doch nicht geklebt, sondern geklammert. … NA, DIE ZWEI KLAMMERN Im RÜCKEN!… BOAH, DER DRAHT IN DER HEFTMITTE!! Manchmal bist du echt ne Schande für alle Frauen.”

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